Bewegung im Markt der Open-Source Online Office Lösungen

Wer Nextcloud im Unternehmen einsetzt, kennt die Frage: Welche Online Office Lösung soll es sein? Bisher lautete die Antwort meistens Collabora Online oder OnlyOffice. Doch seit Ende März 2026 gibt es Bewegung – und zwar mehr, als manchem lieb ist.

Ein europäisches Industriekonsortium um IONOS und Nextcloud hat mit Euro-Office ein neues Projekt vorgestellt, OnlyOffice hat daraufhin die Partnerschaft mit Nextcloud ausgesetzt, und parallel dazu gibt es auch bei LibreOffice bzw. der Document Foundation interne Konflikte. In diesem Artikel ordne ich die aktuelle Lage ein und erkläre, was das alles für Sie als Nextcloud-Nutzende konkret bedeutet.

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Was ist passiert? Die Ereignisse im Überblick

Am 27. März 2026 stellte ein Konsortium aus IONOS, Nextcloud, Eurostack, XWiki, OpenProject und weiteren europäischen Unternehmen das Projekt Euro-Office vor – eine souveräne Office-Suite, die als Fork von OnlyOffice entwickelt wird. Das Ziel: eine vollständig unter europäischer Governance betriebene Alternative zu Microsoft Office, mit vertrauter Oberfläche und hoher Kompatibilität zu Microsoft-Formaten.

Frank Karlitschek, CEO von Nextcloud, brachte es auf den Punkt: Europa habe die technischen Bausteine seit Jahren – was gefehlt habe, sei eine Initiative, die sie zu einer umfassenden Lösung zusammenführt.

OnlyOffice reagiert – und setzt Partnerschaft aus

Die Reaktion von OnlyOffice (Ascensio System SIA, Sitz in Riga, Lettland) kam prompt: Das Unternehmen wirft dem Euro-Office-Projekt Lizenzverletzungen vor und hat die seit acht Jahren bestehende Partnerschaft mit Nextcloud ausgesetzt. Kern des Streits ist die Frage, ob die zusätzlichen Bedingungen, die OnlyOffice in der AGPL-v3-Lizenz verankert hat – insbesondere die Pflicht, das Original-Logo beizubehalten (Sektion 7b) und zugleich keine Markenrechte zu gewähren (Sektion 7e) – einen Fork faktisch verhindern.

Nextcloud und IONOS sehen das anders: Sie verweisen auf eine Stellungnahme der Free Software Foundation sowie auf Bradley M. Kuhn, den Erfinder der AGPL-Lizenz, der die rechtliche Einschätzung des Konsortiums bestätigt. Die Lizenzfrage wird sich vermutlich juristisch klären müssen – aber sie ist im Open-Source-Kontext grundsätzlich nichts Ungewöhnliches.

Und bei LibreOffice?

Parallel gibt es auch bei der Document Foundation (TDF), der Stiftung hinter LibreOffice, Unruhe. Im April 2026 wurden über 30 Entwicklerinnen und Entwickler, darunter Gründungsmitglieder, aus den Gremien ausgeschlossen – auf Basis neuer Community-Bylaws, die eine Mitarbeit bei Beteiligung an Rechtsstreitigkeiten mit der Stiftung ausschließen. Da die TDF selbst rechtliche Schritte gegen Collabora eingeleitet hat – also genau das Unternehmen, das die Mehrheit des LibreOffice-Codes beiträgt –, hat das zu erheblichen Spannungen geführt.

Für die Online-Office-Nutzung in der Nextcloud hat dieser Konflikt allerdings eine andere Dimension: Collabora Online als eigenständiges Produkt ist davon aktuell nicht direkt betroffen. Die Collabora-Entwicklung läuft weiter.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Wir wissen, dass solche Nachrichten bei IT-Verantwortlichen zunächst Unsicherheit auslösen. Open-Source-Projekte, die sich öffentlich streiten – das gibt Kritikern Munition und Entscheidern Bauchschmerzen. Aber lassen Sie mich die Situation einordnen:

Für unsere Kundinnen und Kunden gilt: Es gibt keinen Handlungsbedarf. Bestehende Nextcloud-Installationen mit Collabora Online oder OnlyOffice funktionieren weiterhin wie gewohnt. Die Aussetzung der Partnerschaft zwischen OnlyOffice und Nextcloud betrifft die künftige gemeinsame Vermarktung – nicht die bereits ausgelieferte Software.

Forks sind in der Open-Source-Welt kein Zeichen von Scheitern, sondern ein Mechanismus, der neue Dynamik in Projekte bringen kann. LibreOffice selbst ist als Fork von OpenOffice.org entstanden – und hat sich zum Standard entwickelt. Dass dabei auch Reibung entsteht, liegt in der Natur der Sache.

Als B2B-Anbieter achten wir natürlich darauf, dass solche Dynamiken für unsere Kundinnen und Kunden keine negativen Auswirkungen haben. Deshalb beobachten wir die Entwicklung genau und stellen sicher, dass Sie immer eine stabile, unterstützte Online-Office-Lösung für Ihre Nextcloud haben.

Online Office Lösungen für die Nextcloud: Drei Optionen im Vergleich

Collabora Online

Collabora Online basiert auf LibreOffice-Technologie und wird von Collabora Productivity in Großbritannien entwickelt. Die Lösung bietet eine breite Formatunterstützung – sowohl für Microsoft-Formate als auch für offene Dokumentenformate (ODF). Collabora ist seit Jahren ein fester Bestandteil des Nextcloud-Ökosystems und wird von uns aktiv betreut.

  • 📄 Breite Formatunterstützung – DOCX, XLSX, PPTX, ODF und viele weitere
  • 🔐 On-Premise-Betrieb – Dokumente verlassen nicht Ihre Infrastruktur
  • 👥 Echtzeit-Kollaboration – mehrere Personen arbeiten gleichzeitig am Dokument

OnlyOffice

OnlyOffice (Ascensio System SIA) punktet vor allem mit einer sehr hohen Kompatibilität zu Microsoft-Office-Formaten und einer Oberfläche, die vielen Nutzenden sofort vertraut vorkommt. Für Unternehmen, die viel mit externen Partnern in DOCX und XLSX arbeiten, war das oft ein entscheidender Vorteil.

  • 📊 Microsoft-Kompatibilität – besonders stark bei komplexen Formatierungen
  • Browser-Performance – flüssiges Arbeiten auch bei umfangreichen Tabellen
  • 🔗 Nextcloud-Integration – bestehende Installationen laufen weiterhin stabil

Euro-Office (in Entwicklung)

Euro-Office setzt technisch auf der OnlyOffice-Codebasis auf, wird aber unter vollständig europäischer Governance weiterentwickelt. Eine Tech-Preview ist bereits auf GitHub verfügbar, das erste stabile Release ist für Sommer 2026 angekündigt. Das Projekt wird getragen von IONOS, Nextcloud und einem breiten Konsortium europäischer Unternehmen.

  • 🇪🇺 Europäische Governance – Entwicklung und Steuerung in Europa
  • 🔓 Vollständig Open Source – ohne proprietäre Zusatzkomponenten
  • 🤝 Breites Konsortium – IONOS, Nextcloud, Eurostack, XWiki, OpenProject u.a.

Unsere Position als Nextcloud-Partner

Grundsätzlich begrüßen wir Forks in der Open-Source-Welt, weil sie oft neue Dynamik in Projekte bringen. Als B2B-Anbieter ist es aber unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diese Dynamiken für unsere Kundinnen und Kunden keine negativen Auswirkungen haben.

Konkret heißt das:

  • ✅ Wir bieten weiterhin sowohl Collabora Online als auch OnlyOffice für die Nextcloud an
  • ✅ Als Nextcloud-Partner werden wir Euro-Office anbieten, sobald es Enterprise-Ready ist
  • ✅ Wir beraten Sie individuell, welche Lösung zu Ihren Anforderungen passt

Unsere Kundinnen und Kunden müssen sich keine Sorgen machen. Egal wie sich die Landschaft der Online-Office-Lösungen weiterentwickelt – wir stellen sicher, dass Sie eine stabile, betreute und DSGVO-konforme Lösung für Ihre Nextcloud haben.

Fazit

Die Online-Office-Landschaft für die Nextcloud ist in Bewegung – und das ist grundsätzlich positiv. Mehr Wettbewerb, mehr europäische Alternativen und eine stärkere Debatte über digitale Souveränität sind Entwicklungen, die wir begrüßen. Dass dabei auch Konflikte entstehen, gehört zum Open-Source-Ökosystem dazu. Wichtig ist, dass am Ende tragfähige Lösungen stehen, die für Unternehmen verlässlich und produktiv einsetzbar sind.

Wir halten Sie auf dem Laufenden, sobald es bei Euro-Office, OnlyOffice oder Collabora relevante Neuigkeiten gibt. Haben Sie Fragen zu Ihrer Nextcloud-Online-Office-Konfiguration? Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie gerne persönlich.

Online Office für Ihre Nextcloud?

Wir beraten Sie, welche Lösung zu Ihrem Unternehmen passt – unabhängig und aus eigener Erfahrung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Online Office Lösungen gibt es für die Nextcloud?

Für die Nextcloud stehen aktuell drei Online Office Lösungen zur Verfügung: Collabora Online (basierend auf LibreOffice-Technologie), OnlyOffice (mit besonders hoher Microsoft-Format-Kompatibilität) und das neue Euro-Office (ein Fork von OnlyOffice, getragen von einem europäischen Industriekonsortium um IONOS und Nextcloud). Alle drei ermöglichen das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten direkt im Browser.

Was ist Euro-Office und wann wird es verfügbar sein?

Euro-Office ist eine europäische Open-Source-Office-Suite, die als Fork von OnlyOffice von einem Konsortium aus IONOS, Nextcloud, Eurostack, XWiki und weiteren Partnern entwickelt wird. Eine Tech-Preview ist bereits auf GitHub verfügbar. Das erste stabile Release ist für den Sommer 2026 geplant. Ziel ist eine souveräne, vollständig unter europäischer Governance entwickelte Office-Alternative.

Hat der Streit zwischen OnlyOffice und Nextcloud Auswirkungen auf bestehende Installationen?

Nein, bestehende Nextcloud-Installationen mit OnlyOffice sind davon nicht betroffen. Die bereits ausgelieferte Software funktioniert weiterhin wie gewohnt. Die Aussetzung der Partnerschaft betrifft die künftige gemeinsame Entwicklung und Vermarktung, nicht die technische Funktionalität bestehender Systeme.

Welche Online Office Lösung empfiehlt HKN für Unternehmen?

HKN bietet weiterhin sowohl Collabora Online als auch OnlyOffice für die Nextcloud an. Beide Lösungen sind produktiv einsetzbar und werden von uns vollständig betreut. Sobald Euro-Office die Enterprise-Reife erreicht hat, werden wir als Nextcloud-Partner auch diese Option anbieten. Welche Lösung am besten passt, hängt von den individuellen Anforderungen ab – etwa der Gewichtung von Microsoft-Kompatibilität, Lizenzmodell oder Governance-Struktur.

Was ist der Unterschied zwischen Collabora Online und OnlyOffice?

Collabora Online basiert auf LibreOffice-Technologie und bietet eine breite Formatunterstützung inklusive ODF-Formate. OnlyOffice setzt auf eine eigene Engine mit besonders hoher Kompatibilität zu Microsoft-Office-Formaten (DOCX, XLSX, PPTX) und bietet eine Browser-Performance, die vielen Nutzenden vertraut vorkommt. Beide Lösungen ermöglichen kollaboratives Arbeiten in Echtzeit innerhalb der Nextcloud.