„KI, Software und Datenhoheit: Warum der Speicherort zählt“

Die KI-Debatte dreht sich gerade um eine Grundsatzfrage: Ersetzt KI klassische Software – oder integriert sie sich in bestehende Systeme? Ich glaube, beide Lager haben recht. Aber es gibt eine entscheidende Variable, die häufig übersehen wird: KI wird dort relevant, wo die Daten liegen.

KI und Unternehmensdaten: Wer die Daten hat, hat die Macht

ChatGPT, Copilot, Gemini – die großen KI-Modelle sind beeindruckend. Aber sie kennen nicht Ihre Verträge, Ihre Kundenhistorie, Ihre internen Prozesse. Und genau das ist der Punkt.

Der wirkliche Mehrwert von KI im Unternehmen entsteht nicht, wenn man öffentlich zugängliche Modelle mit allgemeinen Fragen füttert. Er entsteht, wenn die KI Zugriff auf Ihre eigenen, geschützten Daten hat – und genau damit anfängt zu arbeiten.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Sobald unsere Nextcloud-KI unsere Leistungsbeschreibungen, Kundendokumente und Wissensdatenbanken kennt, werden aus abstrakten Möglichkeiten konkrete Zeitersparnisse im Alltag. Die KI beantwortet nicht mehr allgemeine Fragen – sie beantwortet unsere Fragen.

Datenhoheit ist dabei kein Nice-to-have, sondern Grundvoraussetzung. Denn wer seine Unternehmensdaten in fremde Cloud-Dienste hochlädt, um dort KI zu nutzen, verliert gleichzeitig die Kontrolle über sein wertvollstes Asset. Gerade in Zeiten des Cloud Acts und geopolitischer Unsicherheiten ist das ein Risiko, das viele Unternehmen zunehmend kritisch bewerten.

MCP-Server und Automatisierung: Was heute schon möglich ist

MCP steht für Model Context Protocol – und es verändert gerade, wie KI mit Systemen interagiert. Der Grundgedanke: KI-Modelle sollen nicht mehr isoliert arbeiten, sondern über standardisierte Schnittstellen auf Werkzeuge, Daten und Dienste zugreifen können.

Was das in der Praxis bedeutet? Konkret:

  • Ein KI-Assistent kann über einen MCP-Server direkt auf Ihre Dateien, Ihren Kalender oder Ihr CRM zugreifen – ohne manuelle Copy-Paste-Schleifen.
  • Workflows, die heute noch manuell angestoßen werden, lassen sich über MCP-Verbindungen intelligent automatisieren.
  • Verschiedene Systeme – Dateiablage, Kommunikation, Projektmanagement – sprechen plötzlich dieselbe Sprache.

Wir setzen das bei uns bereits ein: Wenn ein Formular auf unserer Webseite ausgefüllt wird, übernimmt ein automatisierter Workflow die Übergabe ins CRM, die Anlage eines Deals und die KI-gestützte Empfehlung für das Sales-Team – alles ohne manuellen Eingriff. Das ist keine Zukunft, das ist unser Arbeitsalltag.

MCP-Server sind der Klebstoff, der KI-Modelle und Unternehmenssysteme zusammenbringt.

Die KI-basierte Zukunft der Automatisierung

Bisher haben wir Automatisierungen regelbasiert gebaut: Wenn X passiert, dann tue Y. Das funktioniert gut – aber es setzt voraus, dass jemand alle Regeln vorab kennt und definiert.

KI ändert das Paradigma. Statt starrer Regeln kann ein KI-Modell auf einem MCP-Server Kontext verstehen und flexibel reagieren. Das eröffnet Szenarien, die mit klassischen Automatisierungstools schlicht nicht umsetzbar wären:

  • Ein eingehender Vertragsentwurf wird automatisch mit bisherigen Vertragsmustern verglichen und mit einem Kommentar zu auffälligen Klauseln versehen.
  • Eine Supportanfrage wird klassifiziert, dem richtigen Team zugewiesen und mit einem ersten Lösungsvorschlag aus der Wissensdatenbank ergänzt.
  • Ein Bericht wird auf Basis aktueller Projektdaten automatisch zusammengestellt – ohne dass jemand Daten zusammensuchen muss.

Das sind keine Science-Fiction-Szenarien. Es sind logische nächste Schritte, wenn man KI dort einsetzt, wo die relevanten Daten bereits liegen – und wenn man die Infrastruktur dafür kontrolliert.

Nextcloud als Grundlage für KI-gestützte Automatisierungen

Warum Nextcloud? Weil Nextcloud genau diese Anforderungen erfüllt: eine offene, datensouveräne Plattform, die sich schrittweise in Richtung KI-gestützter Automatisierung weiterentwickelt.

  • 🔓 Open Source: Kein Vendor-Lock-in, kein proprietäres Ökosystem, das Ihnen die Regeln diktiert.
  • 🏢 On-Premise oder deutsches Rechenzentrum: Ihre Daten bleiben dort, wo Sie es bestimmen.
  • 🤖 Lokale KI: Mit dem Nextcloud-Assistenten und Context-Chat lassen sich KI-Funktionen betreiben, ohne Daten in externe Dienste zu übertragen.
  • 🔗 Integrationsfähigkeit: Nextcloud Flow, Forms, Talk und Collective sind bereits heute die Basis für intelligente, automatisierte Workflows – und die MCP-Unterstützung wächst kontinuierlich.

Was wir in den letzten Monaten umgesetzt haben, zeigt: Die Kombination aus Nextcloud als Datenbasis, lokalen KI-Modellen und automatisierten Workflows funktioniert – und zwar datenschutzkonform, nachvollziehbar und ohne Abhängigkeit von amerikanischen Hyperscalern.

 

Fazit

KI ersetzt keine Software. KI wird Teil davon – und sie wird dort am mächtigsten, wo sie Ihre Daten kennt und versteht. Wer heute die Grundlage dafür schafft, dass KI-Modelle sicher und kontrolliert auf interne Daten zugreifen können, hat morgen einen erheblichen Vorsprung.

Nextcloud ist dabei keine Notlösung für datenschutzbewusste Unternehmen. Sie ist die strategisch klügste Entscheidung für alle, die KI wirklich nutzen wollen – ohne Kontrollverlust.

 

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